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Rückblick auf den „Farbwechsel“ 

 

 

Am Samstag, 10. Juli fand die letzte Vorstellung des Theaterprojektes „Farbwechsel“ mitten im Katharinenviertel statt. Jetzt ist es Zeit für einen kleinen Rückblick.

 

Die Idee zu diesem Projekt kam im Rahmen des Kampfes um das Haus Herderstr. 22, die von der jüdischen Familie Flatauer zum Ende der 1920er Jahre erbaut wurde und 2018 zum Verkauf anstand. Der Bürgerinnen- und Bürgerverein Katharinenviertel hatte sich dafür eingesetzt, dass die Stadt das Haus kauft. Daraus wurde leider nichts. Vorstandsmitglied Hartmut Böhm schlug vor, ein Theaterprojekt zu initiieren, dass das Leben im Katharinenviertel in den 1920er Jahren zum Thema haben sollte. Er sprach sowohl das Theater Osnabrück als auch das Musiktheater Lupe an. Letztere Gruppe war schnell begeistert und machte sich an die Vorbereitungen. Es wurden Flyer gedruckt und Bewohnerinnen und Bewohner des Katharinenviertels wurden gebeten, Geschichten über das Leben in den 20er Jahren erzählen. Es fanden dazu auch Treffen im Viertel statt.

 

Katrin Orth vom Musiktheater Lupe war die erste Anlaufstelle für die Berichte, die sie dann zu einem Gesamtkonzept zusammenfasste. Der rote Faden war schnell gefunden. Es sollten an Originalschauplätzen große und kleine Geschichten über das Leben im Katharinenviertel der 1920er Jahre erzählt werden, wo Menschen verschiedenster Herkunft und Religion, „Arm und Reich“ bunt gemischt nebeneinander lebten. Inmitten großer politischer Umwälzungen bemühten sich die Menschen trotz Inflation und zunehmendem Antisemitismus, ihre Existenzen zu sichern und ein ganz normales Leben zu führen. Deswegen auch der Titel „Farbwechsel“.

 

Ralf Siebenand vom Musiktheater Lupe kümmerte sich um die Finanzierung und sprach verschiedene Institutionen an. Die LAG Soziokultur Niedersachsen, die Stadt Osnabrück, die Sparkassenstiftung Osnabrück und der Landschaftsverband OS Land e.V. erklärten sich schließlich bereit, das Projekt mit erheblichen Mitteln zu fördern. Auch der Bürgerinnen- und Bürgerverein Katharinenviertel übernahm 10 % der Kosten.

 

Mit diesem Finanzierungspolster ging es an die Vorbereitung. Es galt, teils hauptamtliche SchauspielerInnen aber meistens Laienschauspieler zu finden und einzukleiden. Als Spielstätten waren fünf Orte im Viertel vorgesehen, zu denen die Besucher und Besucherinnen jeweils in fünf Gruppen gehen sollten. Zwischendurch waren auch kleine Aufführungen und Videoinstallationen im Programm. Die ersten Proben konnten beginnen. Durch die Corona-Pandemie gestalteten sich diese schwierig aber das Musiktheater Lupe und der Bürgerverein ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und hielten an den Aufführungsterminen im September 2020 fest. Plakate und Flyer wurden erstellt und verteilt. Begleitet durch Artikel in verschiedenen Medien in Osnabrück und Interviews in verschiedenen Radiostationen startete der Vorverkauf und schnell waren die Karten für die sechs Aufführungstage ausverkauft.

 

 

Mit genehmigten Hygienekonzepten konnte am Freitag, 18. September 2020 die Premiere stattfinden. Zuerst versammelten sich alle BesucherInnen auf dem Platz zwischen dem Felix-Nussbaum-Haus und der Villa Schlikker und lauschten den Prologen. In fünf Gruppen mit jeweils 20 Personen ging es dann zu den fünf Spielstätten quer durch das Viertel. Begleitet wurden sie von jeweils einem Guide.

Das Finale fand auf dem Gustav-Heinemann-Platz statt, wo sich alle fünf Gruppen und die Schauspielerinnen und Schauspieler trafen. Es wurde gesungen und getanzt.

 

Beinahe wäre alles - trotz Corona - gut gegangen und das Wetter hatte auch bei den ersten vier Veranstaltungen mitgespielt. Leider infizierte sich vor der fünften Veranstaltung am Samstag, 26.9.2020 ein Mitglied des Ensembles mit dem Corona-Virus, so dass diese und auch die folgende Veranstaltung abgesagt werden mussten.

Das Team entschloss sich, die ausgefallenen Aufführungen in diesem Jahr nachzuholen und diese fanden dann, mit leicht verändertem Ensemble am Freitag, 2. Juli, am Freitag, 9. Juli und am Samstag, 10. Juli 2021 statt und waren ebenfalls schnell ausverkauft.

 

Die Spielstätten und ihre Themen:

 

Herr von Butterkeks / Gemüsehändler Niemann und Putzmacherei

Wo bis vor kurzem das Café „Herr von Butterkeks“ war, befand sich in den 1920er Jahren der Gemüsehandel Niemann und eine Putzmacherei.

Hier ging es um die explodierenden Lebensmittelpreise infolge der Wirtschaftskrise und wie man versuchte, trotzdem ein normales Leben zu führen.

 

 

Katharinenstr. 33 / Frida Grunge

Frida Grunge war die Tochter von Heinrich Grunge, der dort im Innenhof eine Tischlerei besaß. Er war handwerklich sehr geschickt und innovativ und verkaufte der Familie Flatauer das Grundstück Herderstr. 22.

Frida war gelernte Buchhalterin – für diese Zeit noch ungewöhnlich – und wollte unabhängig sein.

 

 

Uhlenfluchtweg / ehemaliger Jüdischer Tennisplatz

Schon 1924 wurden die jüdischen Mitbürger aus dem Osnabrücker Turnverein ausgeschlossen und gründeten daraufhin einen eigenen Verein. Ernst Sievers, Sportlehrer und Sozialdemokrat unterstützte sie dabei. Die Themen waren hier der aufkommende Antisemitismus und die Überlegungen, vor allem der jüngeren Juden, nach Palästina auszuwandern.

 

 

CVJM-Haus / Alwine Wellmann

Alvine Wellmann wurde 1891 in Osnabrück geboren und trat 1917 der SPD bei. Sie wurde weit über den regionalen Raum durch öffentliche Reden bekannt. In den 1920er-Jahren absolvierte sie ein Gesangsstudium in Osnabrück und Berlin und war zeitweise Abgeordnete im Prußischen Landtag. Sie gehörte auch dem Bürgervorsteherkollegium Osnabrück, dem heutigen Stadtrat, an und verweigerte dort im April 1933 im Friedenssaal des Rathauses, den Hitlergruß zu sprechen. Während ihrer politischen Tätigkeit setzte sie sich für Frauenrechte und Pazifismus ein, weswegen sie auch die „Rote Alwine“ genannt wurde.

Das „Farbsechsel“Publikum hörte dort eine Rede, wie Alwine Wellmann sie so oder ähnlich an vielen Orten gehalten hat.

 

Atelier Hansen Blieffert / Psychiatrie

Die Akteure präsentierten hier Geschichten, die nicht unmittelbar im Katharinenviertel stattgefunden haben, aber durchaus hätten geschehen können.

In einer fantastischen Geschichte spielt unter anderem Else Lasker-Schüler eine Rolle. Die deutsch-jüdische Schriftstellerin wurde 1869 in Wuppertal geboren und musste 1933 über Zürich nach Palästina auswandern. Außerdem wurden Passagen Remartques Roman „Der Schwarzen Obelisk“ vorgetragen, in denen die Patientin „Isabelle“ die Symboliken von Monden und Spiegeln für Überlegungen über Wahrheit, Glaube und Selbstentfremdung nutzt. Hier geht es auch darum, inwieweit man an der grausamen Realität des ersten Weltkrieges zerbrechen kann und was „normal“ ist.

 

 

 

 

Der Bürgerinnen- und Bürgerverein Katharinenviertel dankt den Förderern und vor allem Katrin Orth (links im Bild), Ralf Siebenand und Louisa Peters vom Musiktheater Lupe sowie dem ganzen Ensemble.

 

 

Text Heinrich Boßmann, Fotos: Angela von Brill

Freitag, den 27.08.2021

 

Die erste Vorstellung ist vorbei

Am Freitag fand also die erste Vorstellung statt.  Nicht nur mit dem Wetter hatten wir Glück - Tage vorher war Wind und Regen angesagt. Es kam aber viel besser. Man merkte, wie sehr Mitwirkende und Zuschauer froh waren, wieder Kultur zu erleben. Und das im schönen Katharinenviertel! 

 

 

 

Anbei einige Bilder

Neuaufnahme des Theaterprojektes Farbwechsel

 

Schon seit einiger Zeit steht das riesige Ensemble der Theaterproduktion „Farbwechsel“ in den Startlöchern. Die ursprünglich geplanten Aufführungen Ende Mai haben wir kurzfristig nach Einschätzung der Coronalage auf den Juli verschieben müssen und jetzt ist es endlich so weit:

Nach 4 erfolgreichen und gefeierten Aufführungen im September 2020 gibt es jetzt 3 weitere Bespielungen des Katharinenviertels. 60 Mitwirkende, SchauspielerInnen, MusikerInnen und Tänzerinnen warten auf den großen Augenblick, das Katharinenviertel ein Stück in der Zeit zu verrücken und zu verzaubern! Mit Verstärkung des Ensembles durch neue MitspielerInnen.

 

 

Farbwechsel – Theater mitten im Katharinenviertel!

 

Farbwechsel erzählt an Originalschauplätzen große und kleine Geschichten über das Leben im Katharinenviertel der 1920er Jahre, wo Menschen verschiedenster Herkunft und Religion, „Arm und Reich“ nebeneinander lebten. Inmitten großer politischer Umbrüche und Entwicklungen bemühen sich die Menschen trotz Inflationen und zunehmendem Antisemitismus ihre Existenzen zu sichern und ein ganz normales Leben zu führen. Bei „Farbwechsel“ geht es um die kleinen Leute und um Frauen, die etwas bewegen wollen – um Veränderungen.

 

 

Die Termine:

Freitag, den 02.07.    ab 18:30 Uhr

Freitag, den 09.07.    ab 18:30 Uhr

Samstag, den 10.07.  ab 18:30 Uhr

 

Der Treffpunkt ist jeweils im Vorplatz der Villa Schlikker / Nussbaum Museum

 

Karten können an allen Vorverkaufsstellen der Stadt ( Lagerhalle, Touristinfo, Kartenwerk, NOZ-Filialen oder im Netz         https://www.adticket.de/Farbwechsel-Theater-mitten-im-Katharinenviertel.html

erworben werden.

 

 

 

Eintrittspreis:  VVK 23,30€ incl. VVK-Gebühr, mit KUKUK 1 Euro 

 

 

 

 

 

 

 

 

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